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TEST: SUZUKI RM-Z 450 2018

Zehn Jahre nachdem Suzuki an der RM-Z450 als erster Hersteller an einem Serien-MX-Bike die Benzineinspritzung eingeführt hat, erhielt das beliebte Allround-Talent für den Modelljahrgang 2018 eine komplette Überarbeitung. Ist die neue RM-Z450 immer noch so ein hervorragendes Gesamtpaket wie bisher und wie macht sich der Einfluss des MXGP Werksteams, das das neue Modell schon in dieser WM-Saison eingesetzt hat, im Serien-Motorrad bemerkbar? Wir haben es bei der offiziellen Präsentation im elsässischen Bitsch herausgefunden.

Es wurde langsam Zeit für eine Überarbeitung der RM-Z450, die seit dem 2008er Modelljahrgang zumindest optisch kaum verändert wurde. Doch es ist nicht Suzukis Stil, etwas halb ausgegorenes zu servieren und die Wartezeit hat sich gelohnt! Das gesamte Motorrad wurde zum Modelljahrgang 2018 überarbeitet: neuer Rahmen und Schwinge, neues Fahrwerk, neuer Motor und neues Bodywork. Bei den vielseitigen Neuerungen wollte man dem Suzuki Konzept der „Winning Balance“ treu bleiben: jedes Einzelteil alleine soll zwar gut sein, gefordert ist aber vor allem ein perfektes Zusammenspiel der einzelnen Komponenten, die bei den Gelben die drei Schwerpunkte Run, Turn und Stop besitzen.

Run steht dafür vor allem für eine verbesserte Motor Performance. Mehr Leistung und ein verbessertes Ansprechverhalten, ein überarbeitetes Traktions-Management System sowie eine weiterentwickelte Holeshot-Hilfe waren die drei Hauptziele für dieses Segment.

Turn steht ganz klar für ein besseres Kurvenverhalten und Handling. Ein neuer Rahmen samt Schwinge sollen genauso dazu beitragen wie die neue Showa Gabel mit Stahlfedern, die die Luftgabel wieder ablöst. Ganz neu ist auch der Showa BFRC (Balance Free Rear Cushion) Stoßdämpfer. Ein neuer Renthal Fatbar Lenker sowie die Bridgestone X30 Reifen sollen ebenfalls ihren Teil für ein besseres Kurvenverhalten beisteuern.

Stop steht natürlich für das Bremsen, was mit einer neuen, größeren Bremsscheibe erreicht werden soll. Und um die ganzen Arbeiten zu unterstreichen und unterstützen gab es ein komplett neues, modernes Bodywork oben drauf.

 

Was ist neu?

RUN

Das neue Einlasssystem soll für mehr Spitzenleistung und bessere Reaktion in den oberen Drehzahlen sowie mehr Drehmoment im unteren Bereich sorgen. Dazu erhielt der Einlasskanal im Zylinderkopf eine neue Form und die Oberfläche wurde bearbeitet, womit bis zu 25% mehr Benzin einströmen kann, was vor allem zu mehr Spitzenleistung führen soll. Die Benzineinspritzdüse leitet den Treibstoff nun nicht mehr von oben und in einem Winkel in den Einlasstrakt, sondern nun von unten und direkt auf die Absperrklappe, wodurch die Zerstäubung besser wird, was zu einem besseren Ansprechverhalten und optimierter Verbrennung führen soll. Das Profil der Nockenwelle am Einlass wurde leicht geändert und sie hebt sich nun um 0,2 mm mehr an, was zu mehr Leistung im gesamten Drehzahlbereich führen soll.

Ein um 30% größerer Luftfilter sorgt für mehr Luft und der Ansaugtrakt verläuft nun gerader als bisher. Das soll zu mehr Leistung in allen Drehzahlbereichen führen.

Die Benzinpumpe arbeitet nun mit 17% mehr Druck, was zu einer besseren Vermischung von Benzin und Luft führen und das Ansprechverhalten verbessern soll. Beim Drosselklappenkörper wurde von Keihin zu Mikuni gewechselt, auch das soll zu einem besseren Ansprechen und mehr Kontrolle durch den Gasgriff führen.

Der neue Kolben erhielt nun zwei versteifende Quer-Rippe an der Unterseite, was vor allem zu mehr Spitzenleistung führen soll. Und der neue Schalldämpfer erfüllt natürlich die aktuellen FIM Regularien.

Das Traction Management System, das 2008 von Suzuzki eingeführt wurde, geht mit dem Modelljahr 2018 bereits in seine dritte Generation. Es analysiert die Gasgriffstellung, die Motordrehzahl sowie den eingelegten Gang und nutzt diese Informationen, um den Zündzeitpunkt sowie die Benzineinspritzung so anzupassen, dass möglichst optimale Traktion erzeugt wird. Dabei handelt es sich nicht um eine Traktionskontrolle, die die Drehzahl am Hinterrad der Reifen misst und erst eingreift, wenn das Rad durchdreht, sondern versucht konstant möglichst optimalen Vortrieb zu erzeugen.

Zu guter letzt wurde die Suzuki Starthilfe „S-HAC“ (Suzuki Holeshot Assist Control) weiter optimiert, um den Suzuki-Piloten zu möglichst vielen Top-Starts zu verhelfen. Das System sorgt mit optimierten Zündzeitpunkten für möglichst perfekten Vortrieb aus dem Startgatter heraus. Man kann weiterhin zwischen zwei Modi auswählen oder das System deaktiviert lassen. Der aggressivere B-Modus blieb unangetastet, doch der etwas sanftere A-Modus für harte und rutschige Untergründe wurde verbessert. Dabei wurden die Zündzeitpunkte für alle drei Startphasen optimiert: Das Losfahren, den Moment, wenn man über das Startgatter rollt und die anschließende Beschleunigungsphase.

TURN

Die Suzukis waren schon immer bekannt dafür in allen Fahrlagen ein gutes Handling zu haben, sowohl um enge Ecken als auch in langgezogenen Kurven, bei langsamer Fahrt als auch bei vollem Tempo, eine Suzuki liess sich normalerweise äusserst gut und leicht beherrschen. Das sollte natürlich auch mit dem neuen Rahmen und der neuen Schwinge so bleiben. Deshalb hat man die Gewichtsverteilung zwischen Front und Heck nahezu unverändert belassen, auch wenn die neuen Bauteile 800 Gramm Gewicht abgespeckt haben. Der neue Rahmen und die Schwinge sind nicht nur leichter, sondern erhielten auch eine optimierte Steifigkeit, wovon vor allem das Kurvenverhalten und Handling profitieren sollen.

Ein um 15 mm kürzerer Radstand und eine um 7 mm weiter hinten liegende Lenkerposition sollen ihren Beitrag zu schnelleren Richtungswechseln leisten. Das neue, schlankere Bodywork ermöglicht es dem Fahrer sich noch besser und widerstandsfreier auf dem Motorrad zu bewegen.

Völlig neu ist der Showa BFRC Stoßdämpfer, bei dem nun sowohl die Druck- als auch Zugstufe oben am Ausgleichsbehälter stufenlos eingestellt werden kann. Das Öl wird nun von einer Kammer in die andere bewegt, wodurch kein Druck-Ungleichgewicht mehr entstehen kann, wie das bei früheren Dämpfern der Fall war. Durch die stabilen Druckverhältnisse sollen Blasen- und Gasbildung minimiert werden, wodurch sich das Ansprechverhalten des Dämpfers verbessert. Da das System unter niedrigem Druck arbeitet, wird auch Reibung reduziert. Schon kleinste Bewegungen des Stoßdämpfers werden nun schon gedämpft.

An der Front hat man sich gegen eine Weiterverwendung der Luftgabel entscheiden, vor allem, weil die Handhabung für die meisten Fahrer zu kompliziert war und nicht, weil sie nicht funktionieren würde. Nun ist die weiterentwickelte Stahlfedergabel von Showa drin, die bereits 2014 in der Suzuki RM-Z450 steckte. Doch diese wurde ordentlich überarbeitet und entspricht nun einer Serienversion der Showa A-Kit Gabel. Der Durchmesser der Außen- und Innenrohre hat sich gegenüber dem 2014er Modell vergrößert, das Tauchrohr besitzt nun 49 statt 47 mm Durchmesser, was für mehr Steifigkeit sorgt. Auch die Durchmesser des Zylinders, Unterbehälters sowie der Kolbenstange sind größer geworden, wodurch die Lastfläche vergrößert wurde, was zu einem besseren Ansprechen und mehr Kontrolle führen soll. Die verbesserten Funktionen aller Bauteilen sorgen dafür, dass nun eine härtere Feder zum Einsatz kommen muss, ohne dass sich die Härte der Federung dadurch verändert.

Der Renthal Fatbar Lenker erhielt eine etwas geradere Form als bisher. Die obere Gabelbrücke ist nun etwas leichter und erhielt ebenfalls eine neue Form. Auch die Räder haben etwas Gewicht verloren und auf ihnen werden serienmäßig Bridgestone X30 Reifen verbaut. Bei der eher sandigen Teststrecke bei der Präsentation war jedoch eine X20/X10 Reifenkombination verbaut.

Eine neue, schlankere Sitzbank sowie der Tank, der nun wieder aus Kunststoff statt Aluminium besteht, ergeben zusammen rund 500 Gramm Gewichtsverlust, wobei der Tank nun sogar 0,1 Liter mehr Treibstoff fasst. Weitere kleine Änderungen wie eine neue Kettenführung, kleine Führungsnuten und Öffnungen an den Kunststoffteilen und mehr runden die Neuerungen im Bereich „Turn“ ab.

Um die zahlreichen Änderungen zu Unterstreichen kehrte wieder etwas mehr Blau in das Design der neuen, dynamischen Kunststoffteile zurück, schon alleine um mehr Nähe zum Straßenrennteam aufzubauen.

STOP

Die ohnehin gut funktionierenden Bremsen an den Suzukis wurden nicht groß angetastet. Lediglich die Bremsscheibe an der Front wuchs im Durchmesser von 250 auf nun 270 mm an, um noch mehr Bremskraft aufzubauen. Ein neuer Ausgleichsbehälter der Hinterbremse soll nicht für mehr Bremskraft sorgen, sondern nur verhindern, dass sich der Stiefel des Fahrers beim Bewegen dort verhaken kann.

 

MXGP-Entwicklungen

Das Suzuki MXGP Werksteam setzt in der 2017er WM-Saison bereits Prototypen des neuen Modells ein und hat diese ständig weiter entwickelt. Stefan Everts ist bereits im August 2016 erste Tests gefahren und Kevin Strijbos schwang im Oktober vergangenen Jahres zum ersten Mal sein Bein über die neue Suzuki. Während der WM-Saison wurden die Bikes kontinuierlich weiter entwickelt und das Feedback der Werksfahrer konnte bis zuletzt in die Entwicklung der Serienmaschinen einfließen.

DER FAHREINDRUCK

Die leicht sandige Strecke im französischen Bitsch bot mit einem eher traditionellen Streckenlayout und vielen Auf- und Abfahrten ein gutes Testgelände für die Suzuki RM-Z450 der neuesten Generation. Trotz der Regenfälle im Vorfeld boten sich noch vernünftige und aussagekräftige Testbedingungen. Statt der Serienbereifung waren lediglich vorne der X20 und hinten der X10 Reifen von Bridgestone aufgezogen, um der Feuchtigkeit und dem Untergrund Tribut zu zollen.

Schon beim Aufsitzen fiel auf wie schlank die Suzuki geworden ist, was sich dann auch beim Fahren bestätigte. Sowohl an der Front im Tank-/Kühler-Bereich als auch die seitlichen Numberplates und Luftfilterkasten lassen den Piloten ohne Einschränkungen geschmeidig auf dem Motorrad bewegen.

Um es vorweg zu nehmen: die Suzuki zeichnet weiterhin das aus, was sie auch früher schon ausgezeichnet hat: sie ist ein hervorragendes Gesamtpaket ohne Schwächen. Ein gutes und ausgewogenes Handling kombiniert mit einem kräftigen Motor, der in allen Lebenslagen funktioniert sowie ein angenehmes Fahrwerk zeichnen sie aus.

In Sachen Handling lässt sich die neue RM-Z450 nicht aus der Ruhe bringen. Sie lässt sich gut in enge Ecken dirigieren, liegt aber auch stabil auf schnellen Streckenabschnitten. Nach den ersten Testrunden habe ich die Gabel 5 mm weiter durch die Gabelbrücken schieben lassen, so dass der Gabeldeckel nahezu mit der Gabelbrücke abschloss, was die Balance für mich verbessert hat. Vorher erschien mir das Heck bei Abfahrten etwas zu hoch. Durch das hAnheben der Front wurde dieses Empfinden eliminiert und das Vorderrad war zudem etwas weniger nervös.

Das Fahrwerk agiert harmonisch und die Balance zwischen der Gabel und dem Stoßdämpfer ist ausgewogen. Mir gefiel das Gefühl der Gabel mit den vertrauten Stahlfedern und in puncto Nutzerfreundlichkeit hat man jetzt als Fahrer sicherlich ein ruhigeres Leben als mit Luftgabeln. In meinen Augen ein guter Schritt zurück zur Stahlfeder!

Der neue Stoßdämpfer bot keinen Grund zum Meckern und agierte in der Standardabstimmung gut. Ein Verstellen der Druckstufe zu etwas härter hin verbesserte die Fedrungsfunktion über tiefe Bodenwellen, wo sie vorher etwas durchschlug.

Der Motor ist sehr kräftig, zieht lange durch und besitzt dabei eine ausgewogene, gleichmäßige Leistungscharakteristik. Mit dem Standard-Mapping neigte er etwas zum Ausploppen bei niedrigen Drehzahlen oder beim Aufdrehen des Gasgriffes, wodurch man etwas mehr die Kupplung benutzte als es normalerweise bei einer 450er der Fall wäre. Ein versierter Fahrer kann sehr gut mit der hohen Leistung und dem großen Drehmoment umgehen. Wem das etwas zu viel ist, der kann zum Beispiel den fetteren und damit etwas sanfteren Mapping-Stecker ausprobieren. Ich persönlich empfand diese sanftere Leistungscharakteristik als angenehmer zu fahren, auch die Tendenz zum Ausploppen wurde dadurch etwas geringer.

Wem der Motor ausgeht, der sucht übrigens vergeblich nach einem Knopf für einen E-Starter, denn die Suzuki wird nach wie vor mit einem Kickstarter zum Laufen gebracht. Das funktioniert zwar auch gut, aber in heutigen Zeiten von leichten Lithium-Ionen Batterien würde ein E-Starter bei einem so großvolumigen Hubraum schon etwas Komfortgewinn bedeuten.

Alles in allem hat mir die neue Suzuki RM-Z450 jedoch gut gefallen und besonders ihr Gesamtpaket ohne Schwächen begeistert.

 

Die Suzuki RM-Z 450 soll im Laufe des September bei den Händlern verfügbar sein. Der Preis für Deutschland steht derzeit noch nicht fest.

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